Der größte Düsenjet der Welt
Es war einmal die kleinste Ameise der Welt. Sie war so klein, dass man eine besonders starke Lupe brauchte, um sie überhaupt sehen zu können. Übrigens, sie hieß Sophie.
Eines Tages begegnete sie dem größten Elefanten der Welt. Er war so groß, dass sich die Sonne verdunkelte, sobald er im Freien umher lief. Übrigens, er hieß Dennis.
Es war Zufall, dass die beiden sich trafen. Sophie wollte die schöne Aussicht genießen und kletterte auf die größte Rose im Blumengarten von Madame Fleur, der fleißigsten Gärtnerin weit und breit. Und Dennis wollte den feinen Duft der roten Rose genießen und beugte sich ganz weit nach unten, um an der Rose zu schnuppern. Dennis konnte Sophie nicht sehen. Aber als er ein „Hatschi“ hörte, fragte er „Wer ist da?“ Und Sophie antwortete mit ihrer tiefen Stimme: „Ich bin's. Sophie“. Als er fragend auf die Rose schaute, sagte sie: „Du kannst mich mit bloßem Auge nicht sehen. Ich bin die kleinste Ameise der Welt.“ Dennis lachte. Es klang, als ob jemand ein Windspiel gestreicht hatte. Und er sagte: „Mich kannst du nicht übersehen.“ Und Sophie lachte. Es klang wie ein startender Düsenjet. Und sie fragte: „Wie heißt Du größter Elefant aller Elefanten?“
Die Windspiel-Melodie erklang und er antwortete: „Dennis. Aber mit weichem D.“ Und ein neuer Düsenjet startete. „Ja, sonst wärst Du auch ein lustiges Ballspiel.“ Die beiden verstanden sich prächtig.
Auf einmal fragte Dennis Sophie: „Sophie, sag mal, was machst Du so den ganzen Tag?“ Und Sophie streckte und reckte sich, atmetete tief in die Brust ein und antwortete erhobenen Hauptes. „Ich nehme an Wettbewerben teil. Erst letzte Woche habe ich an einem Wettbewerb „Wer kann am schnellsten Blumen pflücken“ teilgenommen.“ Dennis' Stimme klimperte leise. „Aber, Sophie, du bist doch so klein und diese Blumen so groß.“ Und ein extragroßer Düsenjet startete. „Aber Dennis, ich habe natürlich nur Blumen in meiner Größe gesammelt. Nicht solche wie diese hier, auf der ich mich sonne.“ Dennis stelltr seine Ohren fragend hoch. „Und hast du gewonnen?“ Sophie kicherte wie ein knatterndes Motorrad. „Na klar, habe ich gewonnen. Ich hatte 1.024 Blumen in zehn Minuten gesammelt.“ Dennis fragte: „Und wer hat sie gezählt?“ Sophie knatterte wieder. „Natürlich die Jury. Das war Dr. Sebastian Floh, allseits bekannt bei den Katzen, die hier in diesem Garten umher streunen.“ Und Sophie kam richtig in Fahrt. „Und letzten Monat habe ich auch an einem Wettbewerb teilgenommen. Wer kann so laut niesen, dass die Äpfel vom Baum fallen?“ Dennis legte seine riesigen Ohren an. „Ich wusste gar nicht, dass es solch einen Wettbewerb gibt. Ich glaube, ich könnte...“ Aber Sophie unterbrach ihn. „Ich habe so laut geniest, dass die Bäume der ganzen Apfelwiese auf einen Schlag entleert waren. Kein einziger Apfel war mehr am Zweig.“ Und Sophie wuchs innerlich um ein Vielfaches. Sie fühlte sich groß. Und in diesem Augenblick zwinkerte Dennis. „Warte mal Sophie, ich habe da einen kleinen schwarzen Punkt auf der Rose entdeckt. Ha, ich glaube, das bist Du. Das bist Du, nicht wahr?“ Und seine Stimme überschlug sich vor Freude, weil er sie sehen konnte. Innerlich schlug er Purzelbäume. Und Sophie merkte auf einmal, wie ein Sonnenstrahl sie streifte. Sie blickte zu Dennis hoch. „Sag mal, würdest Du vielleicht nächste Woche an einem Wettbewerb teilnehmen wollen? Er findet unter dem großen Birnbaum in Madame Fleurs Garten statt und es geht darum, dass man mit seinem Lachen möglichst viele Leute ansteckt.“ Dennis stimmte zu.
Und so trafen sie sich die Woche darauf unter dem großen Birnbaum. Sophie kletterte drei Stunden lang auf den teilweise morschen Birnbaum, um mit Dennis reden zu können. Sie sah ihn schon von weitem herantrotten. Die Sonne verdunkelte sich und Dennis stand direkt vor ihr. „Dennis, Dennis, Dennis mit weichem D.“, rief sie. Und Dennis richtete seine riesigen Ohren aus. „Hallo Sophie.“ Und keine zwei Sekunden später hörten sie beide, wie Dr. Floh den Wettbewerb eröffnete. Es hatten sich drei Teilnehmer gemeldet: Dennis, Sophie und ein Vogel, den keiner kannte und sich mit Hans vorstellte. Der Vogel hatte weiße Federn am Bauch und dunkelgraue Flügelfedern. Er sah sehr unscheinbar aus.
Doch dann begann Hans zu lachen. Und es war so lustig, dass Sophie sich den Bauch halten musste und Dennis seinen Rüssel unter den Bauch klemmte. Und Dr. Floh hüpfte aufgeregt auf und ab.
Schließlich war Sophie dran. Zuerst knatterte sie wie ein Motorrad und dann klang sie wie ein startender Düsenjet. Und die Erschütterung war so groß, dass Regentonnen umkippten. Dennis trötete vor Jubel. Dr. Floh hüpfte aufgeregt hin und her. Hans blieb still.
Dennis hatte Lampenfieber. Seine Ohren glühten, sein Rüssel war kalt. Er musste sich anstrengen. Er musste besser sein als Hans und Sophie. Er musste so unbekümmert wie möglich klingen. Nur dann war er der Beste. Er war so nervös, dass sein sonstiges zartes Windspiel-Gelächter klang wie das Gittarrensolo von einem Heavy-Metal-Musiker. Und das bei einem Elefanten seiner Größe, dazu seinen glühendroten Ohren. Hans lachte lauthals los. Dr. Floh machte einen Salto nach dem anderen. Und Sophie knatterte wie ein glücklicher Rasenmäher. Und obwohl Dennis supernervös war, hatte er nun den Wettbewerb gewonnen. Und Dr. Floh übergab ihm die Urkunde. Dennis konnte es nicht glauben. Schließlich fragte ihn Dr. Floh, an was er denn beim Lachen gedacht hatte. Und da prustete er los. „Natürlich an das Lachen von Sophie. Und wie schön ihre Freundschaft sei.“ Und dann startete der größte Düsenjet der Welt.
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